Mein Besuch bei Axel Burghardt, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Wolfenbüttel

Vor Kurzem habe ich Herrn Axel Burghardt, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Wolfenbüttel besucht. Als Bundestagskandidatin von Bündnis 90/Die GRÜNEN und als Privatperson interessiere ich mich sehr für den Gesundheitssektor.

Das hiesige Klinikum ist zugleich akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Göttingen, daher absolvieren hier durchschnittlich 10 bis 12 Studierende ihr praktisches Jahr. Im Unterschied zu vielen anderen Krankenhäusern befindet sich das Städtische Klinikum in kommunaler Trägerschaft. Ich persönlich begrüße dieses Modell ausdrücklich, weil so die Kommune im Sinne des Gemeinwohls viel mehr Einfluss hat als im Falle einer privatwirtschaftlich gelenkten Klinikkette.

Wie in den meisten Beschäftigungs- und Wirtschaftsbereichen ist es für Krankenhäuser schwieriger geworden, Fachkräfte zu gewinnen. Das betrifft alle Ebenen vom Azubi bis hin zur Chefärzt*in. Um diesem Mangel abzuhelfen, hat das Klinikum verschiedene Strategien entwickelt: So bietet das Klinikum ein freiwilliges Soziales Jahr an. Wem die Arbeit gefallen hat, bewirbt sich dann häufig beim Klinikum für eine Ausbildung. Physiotherapeut*innen erhalten mittlerweile eine Ausbildungsvergütung vom Krankenhaus.

Angehenden Ärzt*innen bietet das Klinikum attraktive Stipendienprogramme im Sinne eines „Dualen Studiums“ an. Dabei werden u. a. die Studienkosten übernommen. Ziel ist es, damit Medizinstudierende ans Haus zu binden. Außerdem sind dann viele Studierende nicht mehr genötigt, nebenbei für das Studium zu jobben, was die Ausbildungsdauer verkürzt. Bereits Festangestellte können zwischen verschiedenen Arbeitszeitmodellen wählen. Das ist u. a. im Hinblick auf den hohen Frauenanteil im Medizinsektor relevant. Das Gesundheitsmanagement dient ebenfalls der Mitarbeiterbindung: Das Spektrum reicht vom „Jobrad“ (E-Bike) bis hin zu Yoga- und Tanzkursen.

Selbstverständlich interessierte mich zudem die Frage, wie das Klinikum die Corona-Pandemie bewältigt hat. Das sei mit der Umwandlung des Krankenhauses in einen „Hochsicherheitstrakt“ mit strengen Testverfahren und Besuchsrestriktionen sehr gut gelungen. Herr Burghardt nannte beispielhaft: Anstelle des persönlichen Besuchs am Krankenbett traten u. a. Telefonate oder Videokonferenzen. Schwerstkranke wurden in der Corona-Zeit vom Hospizverein weiter auf der Palliativstation betreut.

Wer in Wolfenbüttel wohnt, hat schon öfters einen gelben Hubschrauber gesehen: Dabei handelt es sich um Christoph 30. Seit 1983 gibt es diesen Rettungshubschrauberdienst vor Ort. Bei Ärzt*innen soll dieser Hubschraubereinsatz beliebt sein.

Viele Wolfenbüttler*innen sind im hiesigen Klinikum zur Welt gekommen. Im Durchschnitt sind es pro Jahr etwa 900 Geburten. Die Kaiserschnittrate liegt bei etwa 30 %.

Interessiert hat mich natürlich auch die Finanzierung des Krankenhauses. Erstaunt musste ich feststellen, dass Krankenhäuser durch das aktuelle Finanzierungssystem gezwungen sind, Gewinne zu erwirtschaften. Andererseits sind sie nicht für Investitionen zuständig. Darüber hinaus finden stetige Prüfungen der Krankenkassen statt. So muss die Bilanzierung gerichtsfest sein.

Digitalisierung ist wie in allen Bereichen ebenfalls im Krankenhaussektor ein Top-Thema: Es reicht von E-Health über Medikationsprogramme bis hin zur elektronischen Patientenakte. InformatikerInnen werden mittlerweile von vielen Krankenhäusern gesucht. Als neues Berufsfeld ist das „Medizincontrolling“ entstanden.

Insgesamt gesehen fehlt mir persönlich im jetzigen Gesundheitssystem der Präventionsansatz: Dazu zählen nicht nur Ernährungsberatung, sondern auch Kuren, die im Vergleich zu früheren Jahrzehnten eine weitaus geringere Rolle spielen. Außerdem könnte etwa von Krankenkassen finanzierte Krankengymnastik zu Hause die Lebensqualität vieler Senior*innen entscheidend verbessern. Als Bundestagsabgeordnete werde ich mich für mehr Gesundheitsfürsorge einsetzen!