Gespräch in der HAB mit Prof. Dr. Peter Burschel am 20. Mai 2021

In Wolfenbüttel gibt es zahlreiche Einrichtungen für Kultur und Bildung. Die älteste, größte und überdies international bekannte aus diesem illustren Kreis ist die Herzog August Bibliothek, in Kurzform HAB. Im 17. Jahrhundert galt sie als achtes Weltwunder. Die HAB verfügt über einen wichtigen Bestand an Werken aus der Frühen Neuzeit und aus dem Mittelalter (darunter ist auch das Evangeliar Heinrichs des Löwen und Mathildes von England). In der HAB finden Ausstellungen, wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen statt. Prof. Dr. Peter Burschel ist seit 2016 Direktor der HAB. Außerdem hat er seitdem den Lehrstuhl für Kulturgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit in Göttingen inne.

Aus Gründen der Brandschutzverordnung findet in der Augusteerhalle keine Nutzung statt. Der Lesesaal im Zeughaus steht seit Beginn der Pandemie allerdings für die Bibliotheksnutzer*innen zur Verfügung. Insgesamt haben sich die Service-Zahlen der HAB erhöht ebenso wie die „Klickzahlen“. Anstelle des persönlichen Besuchs tritt momentan häufig die Erstellung von Digitalisaten, die den Nutzer*innen zur Verfügung gestellt werden.

Die Zahl der ausländischen Gäste ist momentan niedriger als in „normalen Zeiten“. Peter Burschel hebt hervor, dass die frühe Neuzeit – auch in der USA – nach wie vor ein wichtiges Forschungsfeld sei.

Eine Herausforderung stelle die Digitalisierung im Hinblick auf Fachkräfte dar. Hier herrsche ein Mangel an Informatiker*innen. Teilweise behelfe man sich mit wissenschaftlichen Hilfskräften und Praktikant*innen. Klassische Stellen für Geisteswissenschaftler*innen seien dagegen eher im Rückgang begriffen. Zwar gebe es Historiker *innen mit Ausbildungen im Bereich Digital Humanities, diese könnten jedoch klassische Informatiker*innen nicht vollständig ersetzen.

Für Bestandserhaltung stehen der HAB alles in allem genügend Mittel zur Verfügung. Weltweites Interesse ziehen zudem die Arzneimittel- und Alchemiebestände auf sich. In der HAB sind mehrere Forschungsfelder etabliert, so u. a. für „Historische Bildkulturen“.

Ein weiteres Thema, das alle Bibliotheken umtreibt, stellt die Provenienzforschung dar. In diesem Kontext soll bis 2022 eine größere Geschichte der Bestände entstehen. Dabei spielt die nationalsozialistische Phase eine wichtige Rolle. Diesbezügliche Bestandszusammenhänge sollen dann noch tiefer erforscht werden.

Für das nächste Jahr steht ein wichtiger Termin im Kalender: Das 450-jährige Jubiläum der HAB, ich freue mich schon darauf!